D O S T O J E W S K I  


Николай Михайлович Достоевский Марье Дмитриевне Исаевой Аполлинария Прокофьевна Суслова Анне Григорьевне Сниткиной Достоевский, Фёдор Михайлович
 
"Die erste Bekanntschaft Dostojewskijs mit Solowjew fällt in das Jahr 1873. Der junge Denker hatte eben seine Studien beendet und stand kurz vor dem Abschluss seiner Magister-Dissertation `Krisis der abendländischen Philosophie`."
Szylkarski, Solowjew und Dostojewskij S. 9

Solowjew in einem Brief an Dostojewski:
(weit vor ihrem gemeinsamen Besuch des Klosters Optina-Pustyn-Kloster)
„Sie spielen in meinem Leben eine ungeheure Rolle. Es gibt Minuten, da ich nur durch Sie allein atmen kann. Wie oft habe ich mich an Sie gewandt, wenn es galt, ein schwieriges Problem zu lösen! Und Sie sind mir niemals die Antwort schuldig geblieben! Es kam vor, dass ich mich zu einigen Gedanken hindurchkämpfte, ohne dass ich die Kraft hatte, sie in Worten auszudrücken: und dann fand ich dieselben Gedanken in Ihren Werken, ausgedrückt durch Ihre machtvolle Sprache.
 (. . .)
Ich wiederhole es, dass Sie auf mein Leben einen ungeheuren Einfluss ausüben, dass ich Ihren Namen niemals mit den Namen anderer Zeitgenossen in eine Reihe gestellt habe, dass ich in Ihren Werken die klare Flamme des Genies erblicke, und dass ich mich vor Ihnen verneige und Ihnen meine tiefe Liebe schenke. Ich habe noch alles vor mir, und vielleicht wird es auch mir einmal gelingen, mein Wort zu sagen. Ich brauche aber eine Stütze, und um diese Stütze zu finden, komme ich zu Ihnen, mein genialer Lehrer! Wenn Ihnen meine Begeisterung und meine Liebe etwas bedeuten können, so erlauben Sie mir, Sie zu besuchen!“
Rachmanowa, Das Leben eines großen Sünders Bd. 2  S. 618


                   
               Wladimir Sergejewitsch Solowjew  1871


"Er machte damals einen bezaubernden Eindruck, und je öfter Fjodor ihn sah und sich mit ihm unterhielt, desto mehr liebte und schätzte er seinen Verstand und seine solide Bildung."
Anna Dostojewskaja, Erinnerungen S. 295 

„Eine noble Freundschaft verbindet bald den Philosophen und den alten Schriftsteller, aber in dieser seltsamen Verbindung erscheint der alte Schriftsteller als der Schüler des Jüngeren. Tatsächlich klärt, ordnet und formuliert Dostojewski als Folge seiner endlosen Diskussionen mit Solowjow seine eigenen Gedanken neu. Sein junger Freund hilft ihm, das philosophische Chaos, mit dem sich Dostojewski seit so vielen Jahren herumschlägt, in abstrakte Begriffe zu übertragen.“
Troyat S. 378

Dostojewski zu Solowjew:
"Sie erinnern mich außerordentlich an einen Menschen, einen gewissen Schidlowski, der in meiner Jugend gewaltigen Einfluss auf mich hatte. Sie sind ihm im Gesicht und im Charakter so ähnlich, dass mir manchmal scheint, seine Seele wäre auf Sie übergegangen."
Ebenda S. 296

"Die Grundlegung des messianistischen Gedankenbaues vollzieht der frühreife Genius in den Meisterwerken seiner Jugend, die zwischen seinem 21. und 28. Lebensjahre (1874 - 1881) geschrieben worden sind."
Szylkarski; Solowjew und Dostojewskij S. 10
Dies trifft eben auch genau jene Zeit, da ihrer beiden Annäherung sich zu einer innigen Freundschaft entwickelte.

Nach der Rückkehr aus Ägypten und kurzer Lehrtätigkeit verließ Solowjew Moskau und ging nach Petersburg, wo er 1878 zwölf öffentliche „Vorlesungen über das Gottmenschentum“ hielt, in denen er einem breiteren Publikum u. a. eben auch Dostojewski seine religiöse Weltanschauung darstellte.

"Der Schluss, der junge Denker habe sich in seiner Entwicklung der slawophilen Grundideen von seinem 32 Jahre älteren Freunde weitgehend beeinflussen lassen liegt nahe.
(...)
Dennoch erweist sich diese Ansicht bei näherer Überlegung als nicht stichhaltig.
(...)
In die erste Berührung mit dem russischen Altmeister des russischen Romans kam Solowjew erst dann, als seine Weltanschauung, wie gesagt, in ihren Grundlinien bereits ausgebildet war.
(...)
Von einer `Schülerschaft` Solowjews könnte nur dann die Rede sein, wenn es gelänge, in der Gedankenwelt Dostojewskis auch nur einen Bestandteil nachzuweisen, den sein vermeintlicher `Jünger` von ihm übernommen hätte."
Szylkarski, Solowjew und Dostojewskij S. 10 ff.

"Wenn wir mit einem Worte jenes allgemein menschliche Ideal bezeichnen wollen, zu dem Dostojewsky gekommen war, so heißt dieses Wort nicht `das Volk`, sondern es heißt  `die Kirche.` "
Drei Reden zum Andenken Dostojewsky`s (1. Rede 1881)   


                   
               Wladimir Sergejewitsch Solowjew  (1853 - 1900) 


Pobedonoszew  hat Solowjow nie getraut und ihn immer polizeilich bewachen lassen.“
Seghers; Glaube an Irdisches  S. 158

Solowjew hielt die Grabrede für Dostojewski.

Solowjew über Dostojewski:
„Als religiöser Mensch war er zugleich auch ein vollkommen freier Denker und ein großer Künstler.“
Drei Reden zum Andenken Dostojewsky`s (2. Rede 1882)

Solowjew vermochte es jedoch, sich nach dem Tode Dostojewskis noch weiterzuentwickeln und von einigen philosophischen Modellen abzuweichen:
„In seiner extremen Form zerstört er (der Nationalismus) das Volk, denn er macht es zum Feinde der Menschheit, und die Menschheit ist immer stärker als ein einzelnes Volk. Das Christentum erhält die Völker, denn es hilft ihnen, über den Nationalismus hinauszuwachsen.“
Vgl. Deutsche Gesamtausgabe der Werke von Wladimir Solowjew, Freiburg und München 1953
4. Band: Die nationale Frage in Russland Teil I und II


„Solowjew hielt die Idealisierung des Russischen Volkes und Russlands Abschließung von der übrigen Welt für das größte Hindernis des Fortschritts in Russland und für ein nationales Unglück.“
Kohn, Hans; Propheten ihrer Völker S. 237

W. Solowjew zog sich den Unwillen des offiziellen Russlands zu, weil er sich für die Wiedervereinigung der Orthodoxen mit der Katholischen Kirche unter Führung Roms engagierte. Seine Vorstellungen von der „Gottmenschheit“ gipfelten in der Forderung: „Die sittliche Pflicht der Menschheit bestehe nicht in der bloßen Gottesbetrachtung, sondern in der Gottwerdung (Theosis), nicht in passiver Gottesverehrung, sondern im aktiven ‚Gottwirken’ (Theurgie)“.


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