D O S T O J E W S K I  


zitate
 
„Wenn er auch Gontscharows Oblomow vorübergehend für einen `abscheulichen Roman` hielt und den Autor ironisierte, so bewunderte er doch den Künstler und missbilligte dabei ein wenig Gontscharows deutsche Sorgfalt und Leidenschaftslosigkeit.“
Gesammelte Briefe 1833 – 1881, Piper S. 654
 
November 1856 – Dostojewski in einem Brief an Wrangel:
„So sind Sie also mit Gontscharow bekannt geworden? Wie hat er Ihnen gefallen? Ein Gentleman aus der `Vereinigten Gesellschaft`, wo er Mitglied ist, mit der Seele eines Beamten, ohne Ideen, und mit den Augen eines gekochten Fisches, den Gott wie zum Gelächter mit einem glänzenden Talent ausgestattet hat.“
Ebenda S.137
 
Mai 1859 - Dostojewski in einem Brief an seinen Bruder Michail:
„ . . . schreibst Du mir Nachrichten wie die, dass Gontscharow zum Beispiel für seinen Roman Oblomow, meiner Ansicht nach ein abscheulicher Roman, 7000 Rubel bekommen hat und . . .“
Ebenda S. 147
 
März 1869 - Dostojewski in einem Brief an Strachow:
„Da wird in abgeschmackter Weise ein pseudorussischer Charakterzug dargestellt, nämlich der, dass der russische Mensch alles beginne, sich viel auf das Größte einbilde und nicht einmal das Kleine vollbringe. Was für ein Altväterkram!
Was für ein schwacher und leerer Gedanke, ein Gedanke, der obendrein noch unwahr ist.
Was für eine Trivialität und Niederträchtigkeit der Anschauung und Durchdringung der Wirklichkeit.“
Ebenda S. 302


Gontscharow in jüngeren Jahren
Qulle: Wiki-common


In den Kommentaren in Gesammelte Briefe 1833 – 1881, Piper wird durch Herausgeber Hitzer angeführt, dass Dostojewskis Meinung zu Gontscharows Oblomow ins Positive umgeschlagen sei. Vier Jahre vor Dostojewskis Tod sieht es jedoch nicht unbedingt so aus:
 
April 1876 - Dostojewski in einem Brief an Ch. D. Alschewskaja:
„Vor einigen Tagen traf ich Gontscharow, und auf meine aufrichtige Frage, ob er denn alles in der gegenwärtigen Wirklichkeit verstehe, oder ob er das eine oder andere nicht mehr begreifen könne, antwortete er geradewegs, dass er `vieles nicht mehr verstehe`. Natürlich verstehe ich selbst, dass dieser große Kopf nicht nur die Dinge versteht, sondern auch die Lehrer belehrt, aber im speziellen Sinn, in dem ich meine Frage gestellt hatte (und den er etwas ein Viertel des Wortes begriffen hatte), war es selbstverständlich so, dass er zwar verstehen kann, aber nicht verstehen will.“
Gesammelte Briefe 1833 – 1881, Piper
 
Leider findet man in den Briefen Dostojewskis vielfach solche ausgesprochen überheblichen und unsachlichen Ereiferungen. Anlass sind in der Regel lediglich Einschätzungen, Statements oder Verhaltensweisen von Personen, die nicht in völligem Einklang mit seinen Ansichten stehen.
Eine zunehmende Reife wird diesbezüglich auch nicht zu seinem Lebensende hin ersichtlich.
 
Im Jahre 1874 hat jedoch ein mehr oder minder sachlicher Briefwechsel zwischen beiden stattgefunden. Sie polemisierten gegenseitig thematisch zu der Skizze Dostojewskis Kleine Bilder. Gontscharows Briefe existieren dazu noch; Dostojewskis leider nicht mehr.
Vgl. Friedländer; Ideal und Realität in der Ästhetik Dostojewskis S. 472


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