D O S T O J E W S K I  


Dostojewskij
 
„Wenn er sich jedoch mit Politik und Nationen befasste, sowohl in seinen Romanen als auch in seinen Artikeln, dann verengte sich Dostojewskis Vision zu einem simplen Kontrast von Weiß und Schwarz, von unversöhnlichen Gegensätzen und zerstörte so seine Fähigkeit zu einfühlendem Verständnis.“
Kohn, Hans; Propheten ihrer Völker S. 167

"Selten hat ein Mann von so großem Format von fremden Völkern und Religionen mit gleicher Geringschätzung und ohne das mindeste Streben nach Verständnis gesprochen. In seiner Verherrlichung von Russland ist keinerlei Demut. Dabei gründet er Russlands Anspruch auf Welthegemonie gerade auf Russlands Demut und sein alles umfassendes Verstehen, das nach seiner Auffassung die Russen von allen anderen Völkern der Erde unterscheide. Er behauptete, dass sie berufen seien, als Vermittler, Friedensbringer und Lenker der Menschheit zu wirken, weil sie alle anderen Völker verständen, während diese die Russen nicht begreifen und ihre Absichten nicht würdigen könnten. Russland sei kein Volk unter Völkern."
Ebenda S. 168


Dostojewskij Nationalist, Selbstverwaltung, Nihilismus, Nationalitätenpolitik, altrussisch, Russisches Königreich Polen,
Dostojewski 1876


„Dostojewski sah das Wesen des russischen Lebens in der geistigen Kirche der freien Brüderlichkeit und dem Absterben des Staates mit seinem Zwangsapparate, aber tatsächlich verteidigte und pries er die Autokratie, die rückständigste Tyrannei in Europa im neunzehnten Jahrhundert und die orthodoxe Kirche mit ihrer stumpfen Unterwürfigkeit gegen diese Autokratie als notwendig für Russlands Macht und daher für die Menschheitserlösung.“
Ebenda S. 170

12. Januar 1868 aus Genf - Dostojewski an A. N. Majkow:
Während Europa seine verfaulte Kultur entwickelte, „sind wir zu einer großen Nation geworden, haben Asien für immer Einhalt geboten, unendliches Leid ertragen, zu ertragen verstanden, haben niemals die russische Idee aufgegeben, welche die Welt erneuern wird, sondern sie noch gefestigt, und schließlich haben wir noch die Deutschen ertragen, und trotz allem steht unser Volk unermesslich höher, ist edler, ehrlicher, naiver, fähiger und erfüllt von einer anderen, der erhabensten christlichen Idee, die Europa mit seinem morschen Katholizismus und seinem sich dümmlich selbst widersprechenden Lutheranertum nicht einmal begreift.“
Schröder; Briefe S. 30

6. April 1870 aus Dresden – Dostojewski an A. N. Majkow:
„Wartet nur ab, bis diese oberste Schicht jener, die sich vom Boden Russlands abgetrennt haben, gänzlich verwest. Wissen Sie was? Mir kommt`s oft in den Sinn, dass viele von diesen nämlichen, niederträchtigen Jungen damit enden, dass aus ihnen wirkliche, feste, russische Ur-Nationale (Potschwenniki) werden. Nun, die übrigen – mögen sie verwesen. Es wird damit enden, dass auch sie verstummen, in der Paralyse verstummen. Nichtswürdige sind sie immer!“
N. Hoffmann; Th. M. Dostojewsky S. 378
Vgl. zudem Briefe - Piper-Verlag S 351



Literatur-Link
Horst-Jürgen Gerigk
Das Russlandbild in den fünf großen Romanen Dostojewskijs
In: Zeitperspektiven – Studien zu Kultur und Gesellschaft


Westphalem F. und Wagner F.(Hrsg.); Russland und die Menschheit – Fedor M. Dostojewskij
In: Klassiker der Staatskunst - Band 6, Stifterbibliothek Wien 1950
Zu finden sind in diesem Büchlein Dostojewskis Beiträge, die in den Jahren 1873 bis 1881 in der Zeitschrift „Staatsbürger“ veröffentlicht wurden. Verdichtete politische Aufsätze, die keinen Zweifel aufkommen lassen. Sehr frisch geschrieben und eben aufschlussreich.



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