D O S T O J E W S K I  



 
Dostojewski weilte viermal in der Schweiz:

1862           auf einer Kurzreise (mit Strachow)
1863           auf der Durchreise
1867/68      während eines ganzen Jahres
1874           als er das Grab seiner in Genf geborenen und gestorbenen Tochter Sonja besuchte.

Touristischen Charakter hatte einzig sein erster Aufenthalt.
Vgl. Rakusa, Ilma; Dostojewskij in der Schweiz, Insel Verlag 1981

Um eine auch nur annähernd sachliche Auseinandersetzung mit seiner schweizerischen Umgebung hat sich Dostojewski nicht bemüht. Er war in einer Weise auf Russland fixiert, die ihm den Zugang von vornherein versperrte.
 

Wie seine Frau mokierte er sich über den "lächerlichen Patriotismus" der Schweizer, ohne seinen eigenen großrussischen Chauvinismus in Frage zu stellen: "Wie unehrlich, gemein, unglaublich dumm und unterentwickelt die Schweizer sind!"
 
Während ihres einjährigen Aufenthalts litten sie wahrlich bitterste Not. Vor dem Hintergrund der Schwangerschaft Dostojewskis Frau, mutet diese recht dramatisch an. Dostojewski unternahm in diesem Jahr drei Reisen nach Saxon les Bains, um dort im Casino durch das Spiel ihr Einkommen aufzubessern. Immer endeten diese Stippvisiten im totalen finanziellen Desaster.


       
         Im Dezember 1867 wohnte Dostojewski in dem Haus vorne links.
 
 
Im August 1867 siedeln sie nach Genf über. In Basel legen sie einen Zwischenstopp ein und besuchen dort gemeinsam das Kunstmuseum Basel. Hier zieht ihn das Gemälde "Der tote Christus" von Holbein völlig in seinen Bann.

Genf, Oktober 1867
"Wie düster, wie traurig ist hier alles! Und wie selbstzufrieden und prahlerisch die Leute hier sind! Es ist ja ein Anzeichen ganz besonderer Dummheit, wenn man so selbstzufrieden ist. Alles hier ist hässlich, durch und durch faul und teuer. Die Leute sind hier immer betrunken! So viele Rowdys und Trunkenbolde gibt es selbst in London nicht."
Dostojewski - Gesammelte Briefe 1833 - 1881  S. 235
 
Genf, Oktober 1867
"Wir wissen nicht wovon wir leben sollen; wir haben nur noch Geld für heute, für morgen reicht es nicht mehr. Ich habe den Eindruck, unsere Wirtinnen fangen an, uns misstrauisch anzusehen. Möglicherweise merken sie, daß wir kein Geld mehr haben."
Dostojewskaja in ihren Tagebüchern.

 
      
        Unter anderem lebte Dostojewski 1868 in diesem Genfer Haus.
 
 
Genf, 1. Januar 1868 - Dostojewski an W. M. Iwanow:
"Genf ist eine langweilige, düstere, protestantische, dumme Stadt mit einem entsetzlichen Klima, doch zum Arbeiten gut geeignet."
Dostojewski - Gesammelte Briefe 1833 - 1881  S. 253

Genf, Februar 1868
Tochter Sonja wird geboren.
 
Dostojewski an Majkow:
"Gestern habe ich meinen letzten Mantel eingelöst. Alles bis zum letzten lumpigen Kleidungsstück, meinem oder meiner Frau, ist verpfändet. Die Schulden sind hartnäckig, nicht zu umgehen, drängend."
 
Genf, Mai 1868
Tochter Sonja stirbt.
 
Juni 1868
Die Dostojewskis siedeln nach Vevey um.
Dostojewskaja in ihrem Tagebuch oder Erinnerungen:
"In Genf zu bleiben, wo uns alles an Sonja erinnerte, war undenkbar, und wir beschlossen, unsere alte Absicht unverzüglich zu verwirklichen und nach Vevey, ebenfalls am Genfer See, überzusiedeln.“


Vevey, 4. Juli 1868, Dostojewski an Majkow:
"Oh wenn Sie nur eine Ahnung hätten, wie entsetzlich ein andauernder Aufenthalt im Ausland ist, wenn Sie eine Ahnung hätten, wie unehrlich, gemein unglaublich dumm und unentwickelt die Schweizer sind! Gewiss sind die Deutschen noch schlimmer, aber diese hier sind auch sein Geld wert. Der Ausländer wird hier als reines Ausbeutungsobjekt angesehen, alle ihre Gedanken sind darauf ausgerichtet, wie sie einen betrügen und ausrauben können. Das Schlimmste ist aber ihre Unsauberkeit! Der Kirgise in seiner Jurte wohnt sauberer! (. . . ) Ich hasse sie aufs äußerste."
Dostojewski - Gesammelte Briefe 1833 - 1881  S. 266

 
       
         Von Juni bis September 1868 wohnte Dostojewski in diesem Haus (Mitte hinten) in Vevey.
 
 
September 1868
Die Dostojewskis verlassen die Schweiz in Richtung Italien.


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