D O S T O J E W S K I  



 
Eine kleine unvollständige, jedoch recht treffende symptomatische Chronologie:

Homburg 18. Mai 1867 - Dostojewski in einem Brief an seine Frau:
Das ist meine endgültige Beobachtung Anja: Wenn man vernünftig ist d.h. wie aus Marmor, kalt und unmenschlich vorsichtig, kann man ganz gewiss, ohne jeden Zweifel, gewinnen, soviel man will. Aber man muss lange spielen, viele Tage, muss sich mit wenigem Begnügen, wenn es nicht läuft, und darf sich nicht gewaltsam auf eine Chance stürzen.“
 
Homburg 19. Mai 1867 - Dostojewski in einem Brief an seine Frau:
„Etwa 10 Stunden habe ich gespielt und am Ende verloren. Es lief den ganzen Tag sehr schlecht, ich war zwar am Gewinnen, aber da wendete sich das Glück. Jetzt will ich mit dem Rest heute einen letzten Versuch machen. (. . .) Siehst Du: Meine Anstrengungen haben jedes Mal Erfolg, wenn ich kaltblütig und berechnend genug bleibe, um mein System zu verfolgen; aber kaum fange ich an zu gewinnen, gehe ich gleich Risiken ein; ich kann mich nicht beherrschen.“

 
           
             Bad Homburg Kurhaus mit Spielbank 1865


Homburg 20. Mai 1867 - Dostojewski in einem Brief an seine Frau:
„Du wirst es nicht glauben: ich habe gestern alles verspielt, bis zur letzten Kopeke, bis zum letzten Gulden und deshalb wollte ich Dir möglichst schnell schreiben, damit Du mir Geld für die Fahrt schickst. Da fiel mir die Uhr ein und ich ging zum Uhrmacher, um sie zu verkaufen oder zu versetzen.“

Homburg 22. Mai 1867 - Dostojewski in einem Brief an seine Frau:
„Nachdem ich den Brief mit der Bitte, Geld zu schicken, an Dich abgesandt hatte, ging ich in den Spielsaal. In meiner Tasche hatte ich alles in allem 20 Gulden und ich riskierte zehn Gulden und es endete damit, dass ich 300 Gulden gewann. Ich war so froh und wollte möglichst schnell alles beenden, wenigstens noch doppelt so viel gewinnen und unverzüglich von hier abreisen, dass ich mich ohne erst auszuruhen auf das Roulette stürzte, das Geld zu setzen begann, und alles, alles verspielt habe, bis zur letzten Kopeke.“

Homburg 24. Mai 1867 - Dostojewski in einem Brief an seine Frau:
„Anja, Liebe, mein Freund, meine Frau, verzeih mir, nenne mich nicht Schuft! Ich habe ein Verbrechen begangen, ich habe alles verspielt, was Du mir geschickt hast, alles, alles bis auf den letzten Kreuzer; gestern habe ich es bekommen und gestern verspielt!“

 
           
           Kursaal von Bad Homburg  Quelle:  Biblioteca "Arturo Frinzi"


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