D O S T O J E W S K I  


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Mal wird sie als Martha, mal Marfa erwähnt. Der nicht gerade russisch anmutende Nachname beruht vermutlich auf einer Heirat mit einem Matrosen aus Baltimore.
 
Martha Brown soll Beziehungen zu zwielichtigen Kreisen in Holland und Belgien gehabt haben, gut ausgesehen haben, Mitte Dreißig gewesen sein.
 
Armut und Abenteuerlust hatten Marfa als Sechszehnjährige zum Aufbruch nach Westeuropa bewogen.
Sie erklärt Dostojewski im Brief: „Ich war schon immer der Meinung, das Leben sei dazu da, einem aufregende Erlebnisse zu bescheren.“
Sie baute auf die Hilfe von Dostojewski, der „ein so hohes Ansehen bei den klugen Leuten“ genoss.

Er nahm sich ihrer an, als sie im Spätherbst 1864 auf der Suche nach Arbeit in der Redaktion auftauchte.
Kjetsaa, Geir; Dostojewskij, VMA Verlag Wiesbaden 1985


Konrad Onasch weiß mit Verweis auf Grossman eine etwas abgewandelte Version zu berichten:
„Dostojewski lernte sie über einen gewissen Gorski kennen, der für `Wremja` und `Epocha` Erzählungen über das Leben in den Elendsvierteln lieferte. Mit diesem Mann, einem völlig verkommenen Säufer, lebte Martha Brown zusammen, bis sie selbst schwerkrank in ein Hospital eingeliefert wird. Dort besuchte Dostojewski sie sehr oft. Martha Brown dankte dem Dichter in ihrem letzten Brief dafür, dass er sie niemals verachtete und immer den Menschen in ihr gesehen habeMartha Brown dankte dem Dichter in ihrem letzten Brief dafür, dass er sie niemals verachtete und immer den Menschen in ihr gesehen habe.“
Onasch, Konrad; Biographie  S. 62 f

Er schlug ihr vor zusammenzuziehen. Es kam aber wohl zu keiner tieferen geistigen Gemeinschaft zwischen den beiden.
Dostojewskij Janko Lavrin; Rowohlt Verlag Hamburg, S. 63

Marfa Brown, eine energische Frau, die durch ganz Europa gereist ist und für die die `Ars Amandi` nicht ein mit sieben Siegeln verschlossenes Buch ist. Nur ein einziger dieser Briefe an Dostojewski ist erhalten, aber ein überaus charakteristischer, aus dem wir unter anderem erfahren, dass Dostojewski sich bemühte, sie für seine Zeitschrift zu engagieren.

Mit einer echt slawischen, grellen Aufrichtigkeit schreibt sie über die Möglichkeiten eines gemeinsamen Lebens, rückhaltlos bekennt sie ihre Vergangenheit und ist voller Dank für seine Nachsicht und die ihr erwiesene Hilfe während ihrer Krankheit. Warum diese Beziehungen plötzlich wieder abbrechen, wissen wir nicht. In seinem späteren Leben kommt Dostojewski auf diese derb aufrichtige Frau nie mehr zu sprechen.
Maurina, Zenta, Dostojewskij, Maximilian Dietrich Verlag 1952

Es könnte der Versuch einer Ablenkung gewesen sein. Ablenkung von:
 
 
dem Tod seines Bruders Michael und dessen übernommenen Schulden,
 
dem Tod seines Mitarbeiters und Freund A. Grigorjew,
 
der unglücklichen Liebe zu Suslowa,
 
dem Scheitern seiner Zeitschrift "Die Epoche".
 
Vielleicht.




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