D O S T O J E W S K I  



 
Pawel Alexandrowitsch Isajew (1848-1900)
 
 
Eine kleine Chronologie 
 
 
1856, Juni  - Dostojewski aus Semipalatinsk:
„Wegen Pascha habe ich Sluzkij und andere Leute gebeten, sich in Omsk darum zu bemühen, ja, auch noch wegen einer Unterstützung. Sluzkij hat alles getan, was er konnte. Bezüglich Pascha schreibt er, es gebe derzeit freie Stellen.“

1859, Oktober - Dostojewski aus Twer an den Zaren:
„Vergeben Sie mir, daß ich auch noch eine zweite Bitte ausspreche, und geruhen Sie, mir eine außerordentliche Gnade zu erweisen durch die Verfügung, meinen Stiefsohn Pascha Isajew auf Staatskosten in eines der Petersburger Gymnasien aufzunehmen. (. . . ) Sollte jedoch die Aufnahme in ein Gymnasium unmöglich sein, so geruhen Sie, mein Kaiser, seine Aufnahme in ein Petersburger Kadettenkorps zu befehlen.“
 
1863, September - Dostojewski aus Paris:
„. . . ich meine aber in erster Linie Pascha: Er ist noch dumm und wird sich vielleicht einbilden, dass man durch das Spiel eine Existenz begründen kann. Er hat sich ja neulich in den Kopf gesetzt, Kommis zu werden und sich auf diese Weise Geld zu verdienen; `folglich brauche ich nichts zu lernen`, hat er mir erklärt. Folglich braucht er nicht zu wissen, dass sein Papa Spielsäle besucht. Erzählen Sie ihm von daher kein Wort! (. . .) Das Geld ist für Paschas Notfälle (das heißt: er soll es nicht in die Hände bekommen), falls ich mich mit der Rückreise verspäte. (. . .) Geben Sie Pascha Ratschläge, mein Täubchen. Pascha beunruhigt mich schrecklich.“

 
           Fauler, ignoranter Stiefsohn Dostojewskijs
                  Pawel Alexandrowitsch Isajew (1846 - 1900)
 
 
1867, August - Dostojewski aus Genf:
„Von September an wird Pascha ohne Geld sein. Schicken Sie deshalb 25 Rubel von diesen 150 Rubel an ihn und sagen Sie ihm, er möge sie sich für etwa 2 Monate sparen und den Gürtel enger schnallen.“
 
1867, Juli - aus Dostojewskajas Tagebuch:
„Aber ich nannte ihm ein Beispiel - unsere Auseinandersetzungen mit Pascha, in denen er nie für mich Partei ergriffen hätte. Fedja meinte dazu, das seien Lappalien gewesen, die man überhaupt nicht beachten dürfe, Pascha sei ein prächtiger Mensch und habe überhaupt nicht die Absicht mich zu kränken. - Aber wenn er es doch immer wieder tut? Kann man ihm denn nicht mal Einhalt gebieten?“
 
1867, August - aus Dostojewskajas Tagebuch:
„Und dann kränkt er mich noch, gibt Pascha und den Angehörigen Geld, während meine Kleider, mein Mantel und meine Möbel verpfändet werden müssen, aber all das kümmert ihn wenig.“
 
1867, Oktober - Dostojewski aus Genf:
„Pascha ist ein guter Junge, ein lieber Junge, und niemand ist da, der ihn liebte. Nur eins ist schlimm bei ihm – Sie wissen es selbst. Außerdem ist er ein ehrlicher Mensch. Und wenn wirklich eine Stellung vorhanden ist, so sollte er sie doch annehmen. Ich teile mit ihm das letzte Hemd, und das mein ganzes Leben lang.“
 
1867, Oktober - Dostojewski aus Genf an Pascha:
„Ich habe Dich immer für einen gutmütigen und braven Jungen gehalten und bin auch noch heute dieser Meinung. Ein Mensch mit diesen Eigenschaften muss in jeder Lebenslage glücklich sein. Ich halte Dich auch für recht gescheit. Eines ist nur schlimm: Deine Unbildung. Wenn Du schon wirklich keine Lust hast, etwas zu lernen, so höre wenigstens auf meinen Rat: Du musst jedenfalls auf Deine moralische Bildung achtgeben, so gut es eben ohne Bildung geht.“

Im November 1867 hatte Pascha eine Stelle beim Wohnungsamt der Stadt Petersburg angenommen, die er wiederum bereits im Februar 1868 wieder aufgab. Er bekam daraufhin eine andere Stelle im Archiv eines Ministeriums, wo er auch nicht lange blieb.
 
1868, Mai - Dostojewski aus Genf:
„Entschuldigen Sie, dass Pascha Ihnen so viel Unruhe macht. Was aus ihm werden soll, weiß ich nicht. Worauf will er hinaus? Diese zwei Stellen, die er in Aussicht hatte, hätten ihm die Möglichkeit gegeben ein ehrlicher, unabhängiger Mensch zu werden. Aber diese Anschauungen, diese Begriffe, diese Eitelkeit! Das ist typisch. Aber andererseits - darf ich ihn denn im Stich lassen? Es fehlt nicht mehr viel und er wird mit diesen Anschauungen ein Gorskij oder Raskolnikow. Sie sind ja alle Wahnsinnige und Dummköpfe. Was aus ihm werden soll weiß ich nicht, ich bete nur zu Gott für ihn.
Auf meinen letzten Brief vor drei Monaten hat er überhaupt nicht geantwortet. Er sieht in mir nur den Mann, der verpflichtet ist, ihm Geld zu schicken, und das geht so weit, dass er mir nicht einmal zwei Zeilen geschrieben hat, um mir zur Geburt Sonjas zu gratulieren. Ich möchte nicht, dass er von ihrem Tod erfährt.“
 
1868, Juni - Dostojewski aus Vevey: 
„Pascha schreibt mir von 4 Briefen, die er mir geschickt hätte. Wo hätten die hingeraten können. Andererseits ist es schwer, ihm zu glauben. Er hat den Brief gewandt geschrieben. Doch seine Lage muss wirklich schrecklich sein. Das ist mir eine solche Last, dass ich sogar im Schlaf davon träume. (. . .) Pascha hat mir geschrieben, ob er wenigstens auf meinen Namen eine Anleihe machen könnte.“
 
1868, Oktober - Dostojewski aus Mailand:
„Pascha konnte ich den ganzen Sommer nichts schicken, aber er ist doch ein guter Kerl. Ich bin ihm nicht böse;  wofür sollte er mich auch besonders liebhaben, und wegen seiner Fehler im Amt kann ich ihm gegenüber nicht streng sein. Er ist ein armer, unterentwickelter Junge, allein und ohne Hilfe – wie ist es da möglich, keine Fehler zu machen, aber ich befürchte Schlimmstes und möchte ihm schrecklich gern und sofort helfen.“
 
1868, Dezember - Dostojewski aus Florenz:
„Ich danke Ihnen sehr mein Lieber, dass Sie Pascha untergebracht haben. Wenn er sich auch bei Poretzkij nicht einlebt, dann ist nichts mit ihm anzufangen. (. . .) Pascha aber muss ich wenigstens etwas helfen, obgleich er sich nicht so benimmt, wie ich es wünsche. Warum lügt er unaufhörlich?!“
 
1869, Januar - Dostojewski aus Genf:
„Mich bedrückt am schwersten der Gedanke, dass Fedja und Pascha sofort Geld brauchen, das ich ihnen sobald wie möglich schicken muss.“
 
1869, Februar - Dostojewski aus Genf an Pascha:
„Als ich mich wieder verheiratete, machtest Du Andeutungen, dass Deine Rolle jetzt eine andere sein würde; ich habe Dir darauf nie geantwortet, weil mich Deine Meinung tief verletzte; jetzt muss ich es Dir aber gestehen. Wisse nun, dass Du immer mein Sohn, mein ältester Sohn bleiben wirst; aus mir spricht nicht die Pflicht, sondern mein Herz.
Wenn ich Dich oft angeschrien habe und böse gegen Dich war, so ist nur mein schlechter Charakter schuld daran; ich liebe Dich so, wie ich nur selten einen Menschen geliebt habe.“

1870, A. Majkow an Dostojewski über Pascha:
„Er ist ein Windbeutel. Ein Aufschneider mit Manieren eines seriösen Geschäftsmannes, durch die Jugend und Übermut hindurchscheinen. Aber ich denke nicht, dass er zu etwas Üblem geneigt wäre. Mit diesen Manieren schadet er sich selbst außerordentlich.“
 
1870, April - Dostojewski aus Dresden:
„Er ist ein kleiner windiger Junge, aber sonst gut und ehrlich.“
 
1870, Oktober - Dostojewski aus Dresden:
„Von Pascha selbst habe ich keine Nachricht erhalten. (. . .) Pascha aber ist ganz anders, das heißt, was den Charakter und selbst nur eine gewisse Selbstbeherrschung betrifft.“
 
1871, August - Dostojewski an Pascha:
„Lieber Pascha, ich war heute bei Pjotr Petrowitsch. Er sagte zu, Dir in jeder Hinsicht nützlich zu sein.“
 
Quelle für alle obigen Zitate:
Dostojewski, F. M.; Gesammelte Briefe 1833 – 1881, Piper 


Marja Isajewna, hatte Ihren Sohn bei Lebzeiten bereits verstoßen und wollte ihn nicht einmal an ihrem eigenen Sterbebett sehen. Dostojewski, der vom Herbst 1863 bis zum Frühjahr 1864 fast alle Zeit an ihrem Bett verbrachte, schreibt am 26. März 1964 aus Moskau an seinen Bruder Michail:
"Er (Pascha) ist ein Taugenichts! Noch eins, Bruder: Er wird mir später womöglich vorwerfen, dass ich ihn nicht nach Moskau geholt habe, um ihn von seiner Mutter Abschied nehmen zu lassen. Doch Marja Dimitrijewna weigert sich entschieden, ihn zu sehen, und hat ihn damals von sich aus fortgejagt aus Moskau. Sie hat ihre Ansicht auch jetzt noch nicht geändert. Sie will ihn nicht sehen."
Schröder, Ralf; Dostojewski - Briefe Band 1, Insel Verlag  S. 294


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