D O S T O J E W S K I  



 
Das „vollendet abgeschlossene Lebenswerk“ oder eine „Einleitung“ zum geplanten Epochalen Vermächtnis?
Gönner, Gerhard; Dostojewskij S. 109
 

 
 
Sie werden hier auf keine Ergebnisorientierte Abhandlung treffen, sondern eine lose Zitatensammlung vorfinden, die lediglich einen belegten Hinweis für die recht facettenreichen Auffassungen verkörpern soll.
 
August 1880 - Dostojewski in einem Brief an an I. S. Aksakow:
„Denn ich beendige jetzt gerade die Karamsows und ziehe folglich die Summe aus diesem Werk, das mir persönlich sehr teuer ist, denn ich habe sehr viel von meinem eigenen Ich hineingelegt.“
Hitzer, Friedrich; Briefe Piper
 
„Da das Buch `unter ganz normalen` Bedingungen geschrieben wurde, darf angenommen werden, dass Form und Inhalt des Romans in allen Teilen sehr genau überlegt  und überprüft sind. Dann muss aber auch der mehrfache Hinweis auf den expositionellen Charakter ernst genommen werden. Dass ganze ist offenbar ganz bewusst in diesem Sinne komponiert, zum mindesten so, dass es auch eine Exposition sein könnte.“
Braun, Maximilian; Dostojewski S. 228 ff
 
„Dostojewski soll sich mit einer Fortsetzung des Romans getragen und in Gesprächen mit Frau und Freunden sogar die Idee skizziert haben, in der Aljoscha die Hauptrolle zugedacht war. N. Hoffmann hat diese Skizze mitgeteilt.
Die Mitteilung verdient alle Skepsis. Wohl kann Dostojewski mal dergleichen gesagt haben. (. . . ) In keinem Fall braucht man es ernst nehmen. Wir wissen, was von solchen ersten Entwürfen Dostojewskis zu halten ist. Nachher kommt immer alles ganz anders. Eine Fortsetzung der Karamasow verbietet sich ebenso wie die Aufstockung eines Tempels.“
Meier-Graefe; Dostojewski  S. 439
Vgl. Gönner, Gerhard, Dostojewskij S.109

 
Möglicher Weise korrespondieren die Annahmen einer beabsichtigten Fortführung der Karamasows zum Teil auch mit den unverwirklichten Vorhaben Dostojewskis „Atheismus“ und „Lebenserinnerungen eines großen Sünder“.
  

 
Aus Dostojewskis Notizen zu "Die Brüder Karamassow"


Ein Alexej Suworin erwähnt in seinem Tagebuch eine Zusammenkunft mit Dostojewski im Jahr 1880. Kjetsaa nimmt dies für folgende Mutmaßung zum Anlass:
„Vielleicht kam er (Dostojewski) zu dieser Zeit auf die Idee, eine Fortsetzung der Brüder Karamasow zu schreiben, in der Aljoscha als Revolutionär auftreten und für ein politisches Verbrechen hingerichtet werden sollte. Suworins Bericht von diesem Plan ist jedoch alles andere als gesichert.“
Kjetsaa; Dostojewski Sträfling - Spieler - Dichterfürst S. 430
 
„Es ist aber beachtenswert, nach den ebenfalls hier wiedergegebenen Erinnerungen A.S. Suworins, dass Dostojewski eine Fortsetzung der Brüder Karamasows geplant hätte, in der Aljoscha aus dem christlichen Mystiker zu einem extremen Revolutionär geworden und seine `von revolutionärer Glorie verklärte Hinrichtung` der Abschluß der Romane geworden wäre.“
Klein, Alfred; Georg Lucas in Berlin S. 245
 
„Obzwar unvollendet, stellt der Roman Die Brüder Karamasow, den Gipfel im Schaffen Dostojewskijs dar, bringt die Synthese die zugleich Synthese des eigenen Lebens darstellt.“
Evdokimov, Paul; Der Abstieg in die Hölle – Gogol und Dostojewskij S. 250
 
„Aus dem anschließenden, ungeschriebenen Band der Brüder Karamasow, den die Zensur des Todes am Erscheinen gehindert hat, würden wir erfahren haben, ob das Schicksal Mitjas dem Iljinskis folgen sollte.“
Seghers, Anna; Glauben an Irdisches S. 151
 
„Jetzt (kurz vor seinem Tod) wollte er zwei Jahre lang das Tagebuch herausbringen und sich danach an eine Fortsetzung der Brüder Karamasow machen. Sicher würde er auch dieses Ziel erreichen, meinten seine Freunde. Schließlich erklärte er selbst aller Welt, dass er vorhabe, noch zwanzig Jahre zu leben.“
Kjetsaa; Dostojewski Sträfling - Spieler - Dichterfürst S. 443
 
»Selbstverständlich,« sagt Strachow, der mit der inneren Geschichte seines Schaffens vertraut war, »hat er wohl nur den zehnten Teil aller Romane, die in seinem Geiste völlig ausgereift waren und die er oft viele Jahre lang in sich herumgetragen hatte, niedergeschrieben; einzelne erzählte er uns sehr ausführlich und mit großer Begeisterung; doch die Zahl solcher Themen, die er auszuarbeiten keine Zeit fand, war wohl unendlich.«
Mereschkowski 
 
„Dostojewskijs letzter Roman Die Brüder Karamasow, sollte eine Fortsetzung finden, die das Schicksal der drei Titelfiguren im Sinne eines Heilsgeschehens zu Ende erzählen würde.“
Gerigk; Ein Meister aus Russland  S. 69
 
„Die Brüder Karamsow fassen alles zusammen, was Dostojewskijs Ideenwelt und sein Russland betraf. Hier wollte er alles aussprechen -`bis zum letzten Wort`. Eine Fortsetzung des Romans hatte er auf zwei Jahre verschoben. Aber Aljoschas Botschaft, die Botschaft des `positiv-schönen Menschen`, den Dostojewskij schon immer gestalten wollte, wurde nicht ausgesprochen. Der Tod trat dazwischen.“
Hitzer, Friedrich; Briefe Piper S. 595
 
 
Dostojewskis Unterschrift
 
 
„In der Dostojewskij-Literatur gilt es vielfach als feststehende Tatsache, dass Aljoscha im Hauptroman zu einem überzeugten Revolutionär werden und als solcher den Tod finden sollte. Das ist möglich, aber keinesfalls sicher. Die wenigen diesbezüglichen Äußerungen sind nur indirekt, aus zweiter Hand und vielleicht nicht genau überliefert.“
Braun, Maximilian; Dostojewskij – Das Gesamtwerk als Vielfalt und Einheit S. 260
 
„In `Momento. Für das ganze Leben` vom 24. Dezember 1877 spricht der Dichter von einem Buch über Jesus Christus, das er noch schreiben wolle, um zu zeigen, dass er `das Wunder der Geschichte` ist und die Erscheinung eines derartigen Ideals in der Menschheit, in dieser schmutzigen und niederträchtigen Menschheit, ist ein noch größeres Wunder.“
Onasch, Konrad; Dostojewskis alternative Orthodoxie S. 729
in Sinn und Form Heft 5/1993

 
November 1880 - Dostojewski in einem Brief  an N. A. Ljubimow:
„Zusammen mit diesem Schreiben schicke ich an die Redaktion des Russischen Boten, den abschließenden Epilog der Karamasows, womit der Roman abgeschlossen ist.“
Hitzer, Friedrich; Briefe Piper


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