D O S T O J E W S K I  



 
Veröffentlichung
1876 erstmalig in der Zeitschrift "Tagebuch eines Schriftstellers"
 
Handlung
Ein Mann provoziert den Selbstmord seiner Frau und  lässt an der Bahre ihre Beziehung nochmals Revue passieren.
 

Anmerkungen
Unter russischen Forschern besteht wohl mehrfach die Auffassung, dass diese Erzählung eine Analogie zur Legende der Heiligen Pelageja darstellen soll bzw. kann. Und eben jene Ikone könnte die Sanfte bei dem Sprung in den Tod auch in der Hand gehalten haben.
 
Die Legende der Heiligen Pelageja
Die Sage spielt im Jahr 290 n.Ch. Pelageja wurde von heidnischen Eltern geboren. Ihre Schönheit und ihre Bildung sollen außergewöhnlich gewesen sein. So wollte sie dann auch des Kaisers Sohn zur Frau. Sie lehnte rigoros ab. Durch Freunde wurde sie jedoch inzwischen längst zum christlichen Glauben geführt. So gab sie dann als ablehnende Begründung an, dass sie erstens mit ganzem Herzen nur dem wahren Gott zuspreche, zweitens ausschließlich für ihn ihre Jungfräulichkeit bewahren werde und drittens jedes Martyrium für ihn in Kauf nähme. Des Kaisers Sohn begreift, dass er keine Chance auf Pelageja als Frau hat und richtet sich selbst mit dem Schwert.

Daraufhin ist der Kaiser erzürnt und wendet sich gegen Pelageja. Sie wurde zum Tode durch Verbrennung in einem Ofen verurteilt. Den Henkern war es verboten, die Todgeweihte zu berühren. So bekreuzigte sich Pelageja und stieg betend eigenständig in den Ofen und realisierte somit auch ihren dritten Punkt, das Martyrium. Während ihr Körper verbrannte, soll die gesamte Stadt mit Myrrhe-Duft erfüllt gewesen sein. Ihre Knochen verbrannten nicht. Diese wurden vor die Tore der Stadt in die Wüste geworfen. Dort wiederum sollen die Knochen von 4 Löwen bewacht worden sein, um sie vor dem Zugriff durch andere Tiere zu schützen; und zwar so lange bis ein Bischoff Klinon diese Stelle aufsuchte, ihre Knochen einsammelte und sie ordnungsgemäß begraben ließ. Als nach 306 n.Ch. die Christenverfolgungen abebbten, ließ der Kaiser Konstantin an dieser Stelle eine Kirche errichten.
In Anlehnung an pravoslavie


   
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Bereits 1869 zeichnen sich die Strukturen der Erzählung in seinen Notizheften ab. Dieser bestehende Entwurf lag sieben Jahre unausgearbeitet, bis sich Dostojewski durch folgende Meldung in einer Zeitung veranlasst sieht, den Entwurf aufzuarbeiten.
vgl. Grossman, Leonid; Über die Sanfte in Sowjetliteratur 12 /1981
 
Petersburger Pressemitteilung in der Zeitung "Golos" vom 2. Oktober 1876:
"Gestern, am 30. September, um 12 Uhr stürzte sich die aus Moskau zugereiste Näherin Marja Borissowa aus einem Mansardenfenster des sechsstöckigen Hauses von Owsjannikow, Galernaja-Straße Nr. 20. Die Borissowa war aus Moskau gekommen, ohne hier Angehörige zu besitzen. Sie beschäftigte sich mit Gelegenheitsarbeit und klagte in der letzten Zeit oft darüber, ihre Arbeit werde schlecht bezahlt und das aus Moskau mitgebrachte Geld gehe zu Ende. Am Morgen des 30. September klagte sie über Kopfschmerzen. Dann setzte sie sich hin und trank Tee. Kaum war ihre Wirtin, die zum Markt wollte, die Treppe hinuntergegangen, da flogen Glasscherben auf den Hof, und danach stürzte die Borissowa  selbst herab. Die Bewohner des gegenüberliegenden Hinterhauses sahen, wie die Borissowa zwei Fensterscheiben einschlug, die Beine voraus, aufs Sims kletterte, sich bekreuzigte und sich mit einem Heiligenbild in den Händen hinabstürzte: Das Heiligenbild, ein Einsegnungsgeschenk ihrer Eltern, war das Antlitz der Mutter Gottes. Die Borissowa wurde bewusstlos ins Krankenhaus gebracht und starb dort nach wenigen Minuten."
Düwel  S. 75
 
„Sehr wahrscheinlich hat Dostojewskij dabei die eigenen Erlebnisse nach dem Tod seiner Frau verwertet. Der Brief den er damals (noch an der Bahre der Verstorbenen) an seinen Bruder schrieb, fängt fast mit den gleichen Worten an wie der Monolog des Ehemanns in der Erzählung.“
Braun, Maximilian; Dostojewskij-Das Gesamtwerk als Vielfalt und Einheit S. 226
 
Erst in den Tagebüchern eines Schriftstellers veröffentlicht, erscheint sie darauf leicht korrigiert (so fehlt das Vorwort  `Vom Verfasser`) in zwei Folgen im "Russki Sbornik".
vgl. Grossman, Leonid; Über die Sanfte in Sowjetliteratur 12 /1981



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