D O S T O J E W S K I  


Бедные люди, Двойник. Петербургская поэма, Господин Прохарчин, Роман в девяти письмах, Хозяйка, Белые ночи, Ползунков, Мальчик у Христа на ёлке, Честный вор, Чужая жена и муж, под кроватью, Чужая жена и муж под кроватью, Слабое сердце, Неточка Незванова, Маленький герой, Дядюшкин сон, Село Степанчиково и его обитатели, Записки из мертвого дома, Униженные и оскорбленные, Скверный анекдот, Зимние заметки о летних впечатлениях, Записки из подполья, Крокодил, Преступление и наказание, Игрок, Идиот, Вечный муж, Бесы, Дневник писателя, Бобок, Кроткая, Подросток, Сон смешного человека, Братья Карамазовы, Великий инквизитор, Пушкинская речь
 
Alias
Die Besessenen
Die Teufel
Böse Geister
         
Veröffentlichung
1871 - 72 erstmalig in der Zeitschrift  "Der Russische Bote"
1873 erstmals als Buch (zudem erstmalig im Eigenverlag)
 
Handlung
Eine vermeintlich revolutionäre Zelle, ist faktisch totalitär strukturiert. Dieser Geheimbund gebiert genau aus diesem Grunde einen Mord in den eigenen Reihen.  

„Wie sieht der Handlungskern in Dostojewskijs `Böse Geister` aus? Folgendermaßen: Werchowenskij erschießt Schatow, und Kirillow adaptiert diesen Mord, in dem er sich schriftlich dazu bekennt, ihn begangen zu haben, bevor er seinen schon lange geplanten Selbstmord vollzieht. Und der wahre Täter, der dieses falsche schriftliche Geständnis herbeiführt, entkommt ins Ausland.“
Gerigk, Hans-Jürgen; Dostojewskijs Entwicklung als Schriftsteller S. 146



Entstehungsort
  
Dresdner Wohnhaus Dostojewskis im Sommer 1870
Hier schreibt er "Die Dämonen".


Zum Titel
„Auch der Titel dieses Romans lässt unterschiedliche Übersetzungen zu. Er ist aus dem Evangelium übernommen: Der entscheidende Abschnitt aus dem Bericht, wie Christus die bösen Geister aus einem Besessenen in eine Schweineherde fahren lässt, damit diese ins Meer läuft und ertrinkt, wird als Motto und im Text zitiert (Lukas VIII. 32-36). Mit den vom bösen Geist Besessenen meint Dostojewski in diesem Falle den radikalen Flügel der russischen `fortschrittlichen Intelligenz` von den linken Liberalen bis zu den Anarchisten.“
Kasack, Wolfgang; Dostojewski  S. 89



Anmerkungen zur Entstehungsgeschichte

„Etwa einen Monat nach der Geburt von Ljubow, kommt Annas jüngerer Bruder zu Besuch nach Dresden. Er ist Student an der Moskauer Landwirtschaftshochschule und berichtet von Unruhen die dort unter seinen Kommilitonen ausgebrochen sind. Zu einem dieser Studenten, einem gewissen Iwanow, hatte er gute persönliche Beziehungen. Er schildert ihn als sympathisch, kameradschaftlich und sehr um ihn besorgt.
Iwanow hat ihm zugeredet, Moskau zu verlassen und den Besuch bei seiner Schwester nicht aufzuschieben.“
Elsässer-Feist, Ulrike; Fjodor M. Dostojewskij S. 128
 
„Nach Frau Dostojewski haben Erzählungen ihres Bruders, damals Student und mit den revolutionären Umtrieben vertraut, der das Paar in Dresden besuchte, starken Einfluss auf Stoff und Tendenz des Romans ausgeübt.“
Meier-Graefe, Julius; Dostojewski S. 488
 
„Auf die Entstehung des neuen Themas hatte die Ankunft meines Bruders Einfluss. Fjodor Michailowitsch, der verschiedene ausländische Zeitungen las (dort wurde vieles gedruckt, was in russischen Zeitungen nicht erschien), war nämlich zu dem Schluss gekommen, dass in der Petrowsker Landwirtschaftsakademie in allernächster Zeit politische Unruhen ausbrechen würden.“
Dostojewskaja; Erinnerungen S. 210
 
„Fjodor Michailowitsch interessierte sich für seine (Dostojewskajas Bruder) Arbeit, seine Bekanntschaften und überhaupt für das Leben und die Stimmung der studentischen Welt. Hier kam Fjodor Michailowitsch der Gedanke, in einer seiner Erzählungen die damalige politische Bewegung darzustellen und zu einem Haupthelden den Studenten Iwanow (unter dem Namen Schatow) zu machen, der später von Netschajew ermordet wurde.“
Ebenda
 
Dostojewski zu den Dämonen in einem Brief an Majkow im Oktober 1870 (aus Dresden):
„Wer sein Volk und sein Volkstum verliert, der verliert auch den Glauben seiner Väter und seinen Gott. Wenn Sie es also wissen wollen – das ist eben das Thema meines Romans.“
Briefe; Piper S. 373

„Dostojewskis Bestürzung war groß, als er wenige Wochen später las, eben dieser jene Iwanow sei in einem Park in der Nähe der Landwirtschaftlichen Hochschule ermordet worden. Fünf Männer hatten den Mord begangen.
(. . .)
Hinter dem Mord an Iwanow am 21. November 1869 stand der junge Student Netschajew, einer von damals vielen Nihilisten, nur gefährlicher als alle anderen.“
Kjetsaa, Geir; Dostojewski – Der gewaltigste unter den russischen Giganten S. 318
 
"Auch über die Brandstiftungen dürfte Dostojewski, abgesehen von Zeitungsberichten, durch den Schwager informiert gewesen sein."
Meier-Graefe, Julius; Dostojewski S. 489  

Manuskriptseite Dostojewskijs
  Eine Seite aus dem Manuskript der Dämonen
 

„Was ich jetzt schreibe hat eine Tendenz. Ich werde mir meinen Zorn vom Herzen reden. Sie werden mich ankläffen, die Nihilisten und die Westler und mich als einen Reaktionär behandeln. Aber hol` sie der Teufel, ich werde alles sagen, was ich denke.“
Troyat S. 321
 
April 1870 - Dostojewski in einem Brief an Strachow:
„Ich setze auch auf die Arbeit, die ich jetzt für den Russischen Boten schreibe, große Hoffnungen; ich meine nicht künstlerische, sondern die tendenziöse Seite, ich will gewisse Gedanken äußern, wenn dabei auch alles Künstlerische zugrunde geht. Aber die Gedanken die sich in meinem Kopf und meinem Herzen angesammelt haben, drängen mich dazu, wenn es auch nur ein Pamphlet wird, jedenfalls werde ich darin alles, was ich auf dem Herzen habe, aussprechen. Ich hoffe auf Erfolg.“
Dostojewski  Gesammelte Briefe 1833 – 1881, Piper  S. 341
 
Oktober 1870 - Dostojewski in einem Brief an Katkow:
„Ich will gleich dazu bemerken, dass ich alles, was ich von Iwanow, Netschajew und den Einzelheiten des Mordes weiß, nur aus den Zeitungen weiß.“
Ebenda  S. 369
 
März 1871 - Dostojewski in einem Brief an Majkow:
„Die  I d e e  hat mich verführt und ich habe sie furchtbar liebgewonnen; ob ich mir ihr fertig werde, ob ich nicht den ganzen Roman verkacke, das ist meine große Sorge.“
Ebenda  S. 391
 
Mai 1871 - Dostojewski in einem Brief an Strachow:
„Den Roman werde ich entweder bis zur Unkenntlichkeit und großen Schande verunstalten (ich habe damit schon angefangen), oder ich werde ihn schaffen, so dass wenigstens etwas Gutes dabei herauskommt. Ich schreibe auf gut Glück. Das ist meine jetzige Devise. (Das bleibt um Gottes Willen alles unter uns.)“
Dostojewski,  Gesammelte Briefe 1833 - 1881, Piper  S. 404
 
„Im Sommer 1971 kehrte die Familie Dostoevskij nach Petersburg zurück, und Dostoevskij kommt gerade zurecht, um als Augenzeuge den Schauprozess gegen die Gruppe der Netschajew-Verschwörer mitzuerleben.“
Städtke, Klaus; Studien zum russischen Realismus des 19. Jahrhunderts S. 133

Der Verleger Katkow war gegen eine vollständige Veröffentlichung der „Dämonen“ und lehnte es ab, den als "Die Beichte Stawrogins" bekannten Abschnitt zu veröffentlichen.

„Die Entstehungsgeschichte des Romans zeigt, dass die Dämonen von den ersten Entwürfen bis zur Buchausgabe von 1873 eine Evolution erlebt haben, in deren Verlauf sich die endgültige Fassung vom ursprünglichen Plan entfernt hat.“
Städtke, Klaus; Studien zum russischen Realismus des 19. Jahrhunderts S. 133

Die Dämonen gelten als jenes Werk Fedor Dostoevskijs, das sich dem Verständnis des Lesers am schwersten erschließt. Das Verhältnis von historischem Material und fiktionaler Verarbeitung ist insofern komplex, als Züge mehrerer historischer Persönlichkeiten in einer einzigen literarischen Figur vereinigt sind und umgekehrt Merkmale einer einzigen Person auf mehrere literarische Gestalten verteilt.

Das Werk zieht auch viel Kritik auf sich. Zum Beispiel schreibt der Kritiker Tkatschew in der Zeitschrift "Die Tat":
"In den Dämonen stellt uns der Verfasser eine ganze Galerie verrückter Jünglinge vor: Werchwenski, Stawrogin, Schatow, Kirillow, Schigaljow, aber in keinem einzigen von ihnen sieht man das Abbild oder die Ähnlichkeit eines lebendigen Menschen. Es sind irgendwelche Mannequins, und einem jeden Mannequin ist eine Etikette angeheftet mit der Bezeichnung der Art des Wahnsinns, der ihn befallen hat."
Rachmanova, Das Leben eines Sünders  S. 617

Die Dämonen in der Sowjetunion:
„Die Dämonen" durften zwischen 1917 und 1989 nur einmal als Einzelausgabe erscheinen - die jedoch 1935 noch vor der Auslieferung zurückgehalten wurde und spurlos verschwand.

Literaturhinweis
Hielscher, Karla
Von Marx zu Dostoevskij. Die Rolle F. M. Dostoevskijs in der aktuellen ideologischen Diskussion in der Sowjetunion 1954 - 1983 
Kapitel 3   Der Kampf um die Dämonen S. 59 -83

Caspers, Olga
Ein Schriftsteller im Dienst der Ideologie: Zur Dostoevskij-Rezeption in der Sowjetunion.

 
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